München, 18. Mrz (Reuters) - Der Rüstungskonzern HensoldtHAGG.DE sieht die Luftangriffe im Iran-Krieg als wichtigeres Lehrbeispiel für Militär und Verteidigungsindustrie als die in der Ukraine. Während in der Ukraine der Kampf großteils mit Drohen geführt werde, kämen im Nahostkrieg traditionelle Waffensysteme wie Raketen stärker zum Einsatz, sagte Vorstandschef Oliver Dörre am Dienstagabend vor Journalisten in München. "Dieser Krieg zeigt stärker, was in unserer Landes- und Bündnisverteidigung stattfinden würde", sagte der ehemalige Generalstabsoffizier der Bundeswehr.
"Wenn ein hochgerüsteter Gegner gegen einen ebenso hochgerüsteten Gegner operiert, dann findet dieser hochkomplexe Luftkrieg statt", sagte er. Anders als im Krieg zwischen Russland und der militärisch wesentlich schwächeren Ukraine stünden sich im Krieg zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits von Anbeginn hochgerüstete Gegner gegenüber. Entscheidend seien Zusammenwirken und Vernetzung moderner Drohnen und herkömmlicher Raketen und der entsprechenden Abwehrtechnologien. "Wir haben ein ganz falsches Verständnis vom Luftkrieg, weil wir immer auf die Ukraine schauen."
Der MDax.MDAXI-Konzern Hensoldt ist als Rüstungszulieferer auf Sensoren für Waffen und deren Abwehr in der Luft, auf dem Land und auf See spezialisiert. Dörre erklärte, es gehe nicht um eine Alternative zwischen Raketen als traditioneller und Drohnen als neuer Technologie. "Wir brauchen beides", sagte er. "Wenn die ebenbürtigen Gegner Russland und Nato sich gegenüberstehen würden, hätten auch die traditionellen Fähigkeiten eine Bedeutung." Gleichwohl sei die Ukraine für Hensoldt im Bereich der Luftverteidigung der prägendste Kunde.
Das Unternehmen aus Taufkirchen bei München erwartet angesichts der Aufrüstung in Europa weiteres Wachstum. Im vergangenen Jahr schnellte der Auftragseingang um 62 Prozent auf 4,71 Milliarden Euro in die Höhe, wie Hensoldt bei der Bilanzvorlage Ende Februar berichtet hatte. Der Umsatz war um zehn Prozent auf 2,46 Milliarden Euro und der Betriebsgewinn um zwölf Prozent auf 452 Millionen Euro gewachsen.