- von Dan Peleschuk
17. Mrz (Reuters) - Die ukrainische Drohne schießt mit einem Heulen über den Himmel, weicht Hindernissen aus, zeigt sich überraschend wendig. "Man kann es nicht in Worte fassen - man muss es fühlen", sagt Testpilot "Paskudnyk" der Nachrichtenagentur Reuters bei einer Vorführung der Abfangdrohne an einem geheimen Ort. Der ehemalige Möbelbauer, dessen Rufname etwa mit "Fiesling" übersetzt werden kann, bildet ukrainische Piloten an dem Gerät aus. Die Umstellung sei für sie einfach, sagt er. Drei bis vier Tage Einarbeitungszeit seien für diejenigen nötig, die bereits Erfahrung mit First-Person-View-Drohnen (FPV) hätten. Dabei sieht der Steuernde die Umgebung aus der Perspektive der Drohne.
Was auf den ersten Blick etwas an eine geflügelte Lavalampe erinnert, ist eine Kampfdrohne des privaten Herstellers Wild Hornets, die sich zu einer zentralen Waffe der Luftverteidigung entwickelt hat. Sie ist eine direkte Reaktion auf die massiven russischen Luftangriffe auf die Energieversorgung und andere Infrastruktur ukrainischer Städte. Dabei setzt die russische Armee eher einfache, aber gefährliche "Schahed"-Drohnen ein, deren Design auf den Iran zurückgeht. Um gegen sie nicht die vergleichsweise teuren "Patriot"-Abwehrraketen aus den USA einsetzen zu müssen, suchten ukrainische Entwickler nach kostengünstigen Lösungen.
Die Daten der "Sting"-Drohne zeigen, wohin das geführt hat. Während eine "Schahed" zwischen 20.000 und 50.000 Dollar kostet, liegt der Preis für den unbemannten ukrainischen Abfangjäger bei 2000 Dollar oder weniger. Die "Sting" erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometern pro Stunde und hat eine Reichweite von rund 37 Kilometern. Das erlaubt es ihr, beladen mit Sprengstoff ihre langsameren Ziele zu rammen. Nach Unternehmensangaben hat die "Sting" seit ihrer Einführung im Juni 2025 mehr als 3000 russische "Schahed" abgefangen. Monatlich laufen mehr als 10.000 Stück vom Band. Dem Hersteller zufolge gibt es eine zweite, schnellere Generation der Drohne, die auch Ziele mit Düsenantrieb abfangen kann. Deren Daten bleiben jedoch geheim.
Der Iran-Krieg hat das Interesse der Staaten im Nahen Osten an dem Waffensystem geweckt. Seit dem Angriff der USA und Israels auf die Islamische Republik am 28. Februar waren die arabischen Golfstaaten mehr als 2000 Raketen- und Drohnenangriffen ausgesetzt. Wild Hornets bestätigt Anfragen aus der Region. Exportverträge würden jedoch nur mit Zustimmung der Regierung geschlossen, Priorität habe die Heimatverteidigung. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, die Ukraine erhoffe sich im Gegenzug für ihre Expertise finanzielle und technologische Hilfe. Man habe inzwischen drei Teams von Luftabwehrspezialisten in den Nahen Osten entsandt.