Genf, 17. Mrz (Reuters) - Das UN-Menschenrechtsbüro kritisiert die israelischen Luftangriffe im Libanon und spricht in diesem Zusammenhang von möglichen Kriegsverbrechen. Die Angriffe hätten ganze Wohngebäude in dicht besiedelten Gebieten zerstört, sagte Sprecher Thameen Al-Kheetan am Dienstag in Genf. Oft seien dabei mehrere Mitglieder derselben Familie getötet worden, darunter Frauen und Kinder. "Das Völkerrecht besagt eindeutig, dass der vorsätzliche Angriff auf Zivilisten oder zivile Objekte ein Kriegsverbrechen darstellt", betonte er. Das Büro forderte eine Untersuchung der Angriffe auf Zelte von Vertriebenen an der Küste von Beirut sowie auf ein Gesundheitszentrum in der Stadt Bint Dschubail.
Eine Stellungnahme des israelischen Militärs zu den Vorwürfen lag zunächst nicht vor. Israel hat stets betont, die Infrastruktur der Hisbollah-Miliz ins Visier zu nehmen. Die Bodenoffensive im Libanon wird als Verteidigungsmaßnahme zum Schutz Nordisraels dargestellt. Die vom Iran unterstützte Hisbollah bezeichnet ihre Angriffe dagegen als Vergeltung für die Tötung des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei zu Beginn des laufenden Nahost-Krieges.
Die humanitäre Lage im Libanon spitzt sich unterdessen weiter zu. Nach Angaben libanesischer Behörden wurden durch die israelischen Angriffe mindestens 886 Menschen getötet. Mehr als eine Million Menschen und damit etwa ein Fünftel der Bevölkerung sind auf der Flucht. Die Ausweitung der israelischen Evakuierungsbefehle auf das Gebiet zwischen den Flüssen Litani und Zaharani könnte laut Al-Kheetan einer Zwangsumsiedlung gleichkommen. Dies ist nach humanitärem Völkerrecht verboten. Imran Riza, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Libanon, warnte vor einer rasant zunehmenden Vertreibung. Die Hilfslieferungen seien durch Finanzierungskürzungen und unterbrochene Lieferketten eingeschränkt. Wegen der aktuellen Luftraumbeschränkungen sei zudem eine Luftbrücke der Golfstaaten, die während des Krieges 2023/2024 genutzt wurde, derzeit nicht in Betrieb.