Bogota, 09. Mrz (Reuters) - Kolumbien steht nach der Wahl eines neuen Parlaments und eines neuen Senats vor einer schwierigen Regierungsbildung. Weder das regierende Linksbündnis noch die rechte Opposition konnten sich eigene Mehrheiten sichern, wie aus vorläufigen Ergebnissen hervorgeht. Sowohl der "Historische Pakt" des scheidenden Präsidenten Gustavo Petro als auch das rechte "Demokratische Zentrum" unter der Führung von Ex-Präsident Alvaro Uribe dürften zwar die stärksten Fraktionen in beiden Kammern des Kongresses stellen, verfehlten jedoch die absolute Mehrheit.
Aus Sicht von Beobachtern wird das zersplitterte Parteienspektrum das Regieren in dem südamerikanischen Land erschweren. "Die Linke hat gezeigt, dass sie gekommen ist, um zu bleiben. Die Rechte ist zwar gespalten, aber nicht schwach", sagte Sergio Guzman, Direktor der Beratungsfirma Colombia Risk Analysis. Das Land stehe vor einer Legislaturperiode mit einem fragmentierten Kongress. Auch traditionelle Parteien wie die Konservativen, die Liberalen und die Grüne Allianz sicherten sich Sitze. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei unter 50 Prozent der rund 41,2 Millionen Wahlberechtigten.
Parallel zu den Kongresswahlen bestimmten die Parteien am Sonntag bei Vorwahlen auch ihre Kandidaten für die Präsidentenwahl im Mai. Im rechten Lager setzte sich Senatorin Paloma Valencia durch, während bei den Linken der Petro-Vertraute und ehemalige Senator Roy Barreras gewann. Für die politische Mitte geht die ehemalige Bürgermeisterin von Bogota, Claudia Lopez, ins Rennen.
Mit besonderem Interesse verfolgten die USA die Wahl. Ziel der Regierung in Washington ist es, nach Argentinien und Chile auch einen Rechtsruck in Kolumbien zu fördern. US-Präsident Donald Trump hatte im Januar den amtierenden, linksgerichteten Präsidenten Gustavo Petro als "sehr krank" bezeichnet und einen Militäreinsatz ähnlich wie in Venezuela nicht ausgeschlossen.
Abzuwarten bleibt, ob das Wahlergebnis angefochten wird. Der bis August amtierende Präsident Petro hatte die zur Auszählung der Stimmen eingesetzte Software infrage gestellt und vor möglichen Unregelmäßigkeiten gewarnt. Wahlleiter Hernan Penagos wies dies zurück, Parteibeobachter könnten die Ergebnisse überprüfen. Um die Sicherheit der mehr als 13.400 Wahllokale zu gewährleisten, waren rund 246.000 Soldaten und Polizisten im Einsatz. Größere Zwischenfälle blieben aus, vereinzelt wurden jedoch Versuche von Stimmenkauf gemeldet.