
Mexiko Stadt, 12. Feb (Reuters) - Das Mercedes-BenzMBGn.DE-Werk im mexikanischen Aguascalientes geht möglicherweise an einen chinesischen Autobauer. Mit BYD002594.SZ und Geely0175.HK gehören Insidern zufolge zwei der führenden chinesischen Hersteller zu den Finalisten im Rennen um die gemeinsam mit Nissan betriebene Fertigungsstätte. Der dritte Finalist sei der vietnamesische Hersteller VinFastVFS.O, sagte einer der Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Insgesamt hätten neun Unternehmen Interesse an dem Werk bekundet, darunter auch mindestens die beiden chinesischen Hersteller Chery9973.HK und Great Wall Motor601633.SS, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Die beteiligten Unternehmen äußerten sich nicht zu dem Thema.
Nissan und Mercedes hatten Ende 2025 beschlossen, die Produktion in der Fabrik einzustellen. Das Gemeinschaftswerk von Nissan und Mercedes wurde 2017 eröffnet. Ursprünglich sollte es eine Kapazität von bis zu 230.000 Fahrzeugen haben und 3600 Mitarbeiter beschäftigen. Doch diese Zahlen wurden nie erreicht. Derzeit baut Nissan zwei Modelle in dem Werk, die ganz vom Markt genommen werden. Das Mercedes-Modell GLB wird künftig in Ungarn hergestellt.
Nach Einschätzung von Branchenexperten spielen beim Aus für das Werk die Zölle von US-Präsident Donald Trump eine wichtige Rolle. Für Exporte aus Mexiko in die USA fallen derzeit Zusatzzölle von 25 Prozent an, für Ausfuhren aus Europa sind es 15 Prozent. "Im Moment ist es billiger, Autos aus Europa und Asien in die USA zu verschiffen als aus Mexiko", sagte Rogelio Garza, Präsident des Branchenverbandes AMIA. Vor Einführung der Zölle wurden fast drei von vier in Mexiko gebaute Autos in die USA exportiert. 2025 schrumpften die Ausfuhren allerdings nach drei Jahrzehnten Wachstum um knapp drei Prozent. Sollten die Zölle in Kraft bleiben, sei für das laufende Jahr ein noch größerer Rückgang zu erwarten, sagte Garza.
Chinesische Autobauer wollen dagegen von Mexiko aus ihr Geschäft in Lateinamerika bedienen. Die neun Autobauer, die sich für Aguascalientes interessierten, stellten Hybrid- und Elektrofahrzeuge für Mexiko und Lateinamerika her, erklärte die Verwaltung der rund eine Million Einwohner zählenden Stadt im Herzen Mexikos. Aus Regierungskreisen hieß es, BYD habe eigentlich ein neues Werk in Mexiko bauen wollen, von diesen Plänen aber wegen der staatlichen Vorgaben Abstand genommen.
Allerdings sorgen die Pläne der chinesischen Hersteller in Mexiko für Kopfzerbrechen bei der mexikanischen Regierung. In diesem Jahr stehen Handelsgespräche mit den USA an, und Mexiko befürchtet, dass chinesische Investitionen in Mexiko bei der Regierung in Washington für Verärgerung sorgen könnten. Aus Regierungskreisen hieß es, auch wenn Mexiko einen Verkauf des Werks nicht stoppen könne, sollten doch die örtlichen Behörden chinesische Investitionen so lange ausbremsen, bis die Handelsgespräche abgeschlossen sind.