
Berlin, 11. Feb (Reuters) - Deutschland ist bei Technologien für die Kreislaufwirtschaft weltweit führend, gerät aber durch die hohe Innovationsdynamik ostasiatischer Länder zunehmend unter Druck. Wie am Mittwoch aus einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, ist Deutschland bei der wirtschaftlichen Relevanz der Patente globaler Spitzenreiter. Bei der reinen Zahl der Anmeldungen liege die Bundesrepublik hinter den USA auf dem zweiten Platz. Diese Führungsposition sei jedoch gefährdet, da Länder wie China, Südkorea und Japan bei Neuanmeldungen ein deutlich höheres Tempo vorlegten.
Den Daten zufolge entfielen zwischen 2010 und 2024 von den weltweit knapp 62.000 Patenten im Bereich der Kreislaufwirtschaft rund 10.700 auf Deutschland. Die USA kamen auf 14.000, Japan auf 8600. Die Dynamik hat sich jedoch verschoben: Während in China 2021 fast fünfmal so viele Patente angemeldet wurden wie 2010, stieg die Zahl in Deutschland nur um das 1,3-Fache. Dies sei der geringste Wert unter den Top-Nationen, hieß es. Bei der Qualität, gemessen an der Häufigkeit der Zitate in anderen Patenten, liegt Deutschland mit fast 15.000 Nennungen jedoch an der Spitze vor Japan und den USA.
Als wichtige Innovationsfelder für die deutsche Wirtschaft nennt die Studie das Batterierecycling und das sogenannte zirkuläre Bauen, wo Abfall vermieden wird. Das Recycling von Batterien sei vor dem Hintergrund der E-Mobilität und der Abhängigkeit von China ein zentrales Zukunftsthema. Es sei zudem das einzige untersuchte Technologiefeld, in dem Deutschland seinen Anteil an den weltweiten Patenten zuletzt erhöhen konnte. Beim zirkulären Bauen habe Deutschland mit 20 Prozent den höchsten Weltmarktanteil bei Patenten. Hier liege ein großes Potenzial, da rund die Hälfte aller Rohstoffe in Gebäuden stecke und mehr als ein Drittel des Abfalls aus dem Bausektor stamme.
"Wir halten es für äußerst wichtig, dass sich die Bundesregierung schnell beim Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie einigt, um einen verlässlichen gesetzlichen und finanziellen Rahmen für neue Innovationsimpulse zu schaffen", sagte Marc Wolinda, Experte der Bertelsmann Stiftung. Nötig seien klare industriepolitische Ziele, eine gezielte Forschungsförderung und eine verlässliche Nachfrage durch die öffentliche Hand, um innovativen Produkten zur Marktreife zu verhelfen.