Washington, 15. Mai (Reuters) - Kampfjet-Begleitung und Flugbeschränkungen - Die Boeing 747, die das katarische Königshaus US-Präsident Donald Trump als Geschenk angeboten hat, wäre als US-Regierungsmaschine Experten zufolge nur mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen einsetzbar. Selbst wenn die Verteidigungs- und Kommunikationsausrüstung für die Nutzung als Air Force One verbessert würde, müssten wohl Kampfjets den Flieger eskortieren. Die katarische Maschine verfüge nicht über die elektronischen Verteidigungs- und Raketenwarnsysteme oder andere Funktionen, die die Überlebensfähigkeit der Air Force One absicherten, sagt Richard Aboulafia von der Beratungsfirma AeroDynamic Advisory. Auch Auslandsreisen könnten seiner Ansicht nach verboten sein, da "das Sicherheitsniveau im internationalen Luftraum oder auf Flughäfen nicht garantiert werden kann."
Die Air Force One benötigt fast nie Begleitung durch Kampfjets, da sie mit eigenen Verteidigungssystemen ausgestattet ist, darunter Leuchtraketen, elektronische Störsender und Infrarot-Erkennungssysteme. Eine Eskorte wird manchmal bei Auslandsreisen oder in Situationen genutzt, in denen die nationale Sicherheit bedroht ist, wie etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Die US-Regierung hat einem Insider zufolge die Rüstungsfirma L3Harris TechnologiesLHX.N angefragt, um die von Katar angebotene Maschine nachzurüsten. Diese müsste nach der Ansicht von Experten die Kommunikationssysteme vor Spionage absichern und die Maschine gegen Raketenangriffe schützen. Die Kosten für die Nachrüstung des 13 Jahre alten Luxusflugzeugs mit einem Listenpreis von 400 Millionen Dollar sind derzeit nicht bekannt, dürften aber erheblich sein. BoeingsBA.N aktuelle Bemühungen zum Bau zweier neuer Air-Force-One-Flugzeuge übersteigen derzeit die Summe von fünf Milliarden Dollar. 2018 waren sie unter der ersten Trump-Administration für 3,8 Milliarden Dollar in Auftrag gegeben worden.
EXPERTE: AUFRÜSTUNG BLIEBE UNZUREICHEND
Es gibt ernsthafte Zweifel, ob eine Kombination aus Eskorte und kurzfristigen Modernisierungen ausreichen würde, um dem Präsidenten ausreichenden Schutz zu bieten. "Ich halte das nicht für möglich", sagt Mark Cancian, leitender Berater der Verteidigungs- und Sicherheitsabteilung des Center for Strategic and International Studies. Er verwies auf den knappen Zeitrahmen für die tiefgreifenden Modifikationen. "Die Air Force One ist so konzipiert, dass sie in allen möglichen Umgebungen überlebensfähig ist, auch in einem Atomkrieg." Er wies darauf hin, dass die Fähigkeit des Jets, den elektromagnetischen Impuls einer Atomexplosion zu überstehen, von Grund auf in die Verkabelung und Systeme des Jets integriert sei. "Das ist nichts, was man einfach hinzufügt."
Als Oberbefehlshaber könnte Trump jedoch auf alle derartigen Anforderungen verzichten, bemerkte ein ehemaliger Air-Force-Beamter. "Wenn er es will und sagt: 'Ich akzeptiere jedes Risiko, das damit verbunden ist, nicht über alle Funktionen der echten Air Force One zu verfügen', kann er das tun."
Trump hat Kritik an seinem vielfach berichteten Plan, den katarischen Luxusjet anzunehmen, zurückgewiesen. Es wäre "dumm", das Angebot abzulehnen. Trump bezeichnete es auch als praktische Entscheidung und zeigte sich enttäuscht, dass Boeing so lange brauche, um die Aufträge für die beiden neuen Air Force One-Flugzeuge zu erfüllen.