Das Unternehmen Chaos Labs hat am Montag angekündigt, seine Rolle im Risikomanagement bei Aave aufzugeben. Das geht aus einem Beitrag im Governance-Forum hervor, den CEO Omer Goldberg veröffentlichte.
Die Firma, die seit November 2022 das Risikomanagement über sämtliche Aave-V2- und V3-Märkte sowie Netzwerke hinweg verantwortete, war unter anderem für die Preisgestaltung von Krediten innerhalb des Protokolls zuständig.
Während dieser Zeit verzeichnete Aave nach eigenen Angaben keine nennenswerten Kreditausfälle. Zugleich stieg der gesperrte Gesamtwert (Total Value Locked, TVL) von 5,2 Milliarden auf mehr als 26 Milliarden US-Dollar. Das kumulierte Einlagenvolumen überschritt zudem die Marke von 2,5 Billionen US-Dollar, während Liquidationen ein Volumen von über 2 Milliarden US-Dollar erreichten.
Chaos Labs erklärte, man habe mit den Mitwirkenden der DAO „nach bestem Wissen und Gewissen“ zusammengearbeitet. Dabei habe Aave Labs vorgeschlagen, das Budget auf 5 Millionen US-Dollar zu erhöhen, um die Zusammenarbeit fortzusetzen. Letztlich sei die Kooperation jedoch an einer „grundlegenden Fehlanpassung“ in der Risikostrategie gescheitert.
„Je mehr wir über den weiteren Weg gesprochen haben, desto deutlicher wurde diese Lücke“, schrieb Goldberg.
Als Gründe für den Rückzug nannte er unter anderem den Weggang wichtiger Mitwirkender, was den operativen Aufwand und die Risiken deutlich erhöht habe.
Mit der Einführung von Aave V4 habe sich zudem der Verantwortungsbereich ausgeweitet. Die neue Architektur bringe höhere operative und rechtliche Anforderungen mit sich, obwohl sie nicht von Chaos Labs entwickelt worden sei. Zudem habe das Unternehmen die Partnerschaft über drei Jahre hinweg mit Verlust betrieben – auch nach der vorgeschlagenen Budgeterhöhung.
Chaos Labs kündigte an, den Ausstieg „geordnet zu gestalten“ und sicherzustellen, dass die DAO nach dem Rückzug stabil aufgestellt bleibt. Dazu wolle das Unternehmen einen strukturierten Vorschlag vorlegen, der Zeitplan, Zuständigkeiten und Maßnahmen zur Sicherung der Kontinuität umfasst.
Die Einführung von Aave V4 im Ethereum-Mainnet brachte eine Hub-and-Spoke-Architektur mit vereinheitlichter Liquidität, die die Kapitaleffizienz verbessern soll.
Der Rückzug von Chaos Labs reiht sich in eine Serie jüngster Abgänge wichtiger Dienstleister im Aave-Ökosystem ein. Bereits im Februar hatte BGD Labs, das zentrale Entwicklerteam hinter Aave V3, angekündigt, die Zusammenarbeit nach dem 1. April zu beenden und dies mit erheblichen Veränderungen in der Struktur der DAO begründet.
Auch die Aave Chan Initiative (ACI), ein wichtiger Akteur in Governance und Geschäftsentwicklung, erklärte, seine Aktivitäten einstellen zu wollen. ACI-Gründer Marc Zeller verwies dabei auf Differenzen bei Transparenz, Stimmrechten und Budgetvorschlägen von Aave Labs.
Der AAVE-Token legte in den vergangenen 24 Stunden ungeachtet der Ankündigung um 3 Prozent zu.