
Berlin, 13. Jan (Reuters) - In den USA hat sich die Inflation im Dezember auf erhöhtem Niveau eingepegelt. Die Verbraucherpreise stiegen wie bereits im Vormonat um 2,7 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit dieser Jahresteuerungsrate gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es:
CHRISTOPH BALZ, COMMERZBANK:
"Insgesamt geht die Inflation trotz des Zollschocks eher zurück. Die Inflation wird die US-Notenbank daher wohl nicht von Zinssenkungen abhalten. Den nächsten Schritt erwarteten wir auf der übernächsten Sitzung im März."
TOBIAS BASSE, NORDLB:
"In Washington hat die Regierung mittlerweile begonnen, noch schärferen Druck auf den Notenbankchef Jerome Powell auszuüben. Kurzfristig mögen sich diese juristischen Winkelzüge nun sogar als kontraproduktiv für die Pläne Donald Trumps erweisen, weil die Sorgen der Marktteilnehmer bezüglich der Unabhängigkeit der Fed das FOMC von einer Zinssenkung im ersten Quartal abhalten könnten. Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Konsumentenpreise haben den Januar-Termin für eine Verringerung der Fed Funds Target Rate prinzipiell nicht ganz aus dem Spiel genommen, was die 'Kosten' der neuen Attacken gegen Jerome Powell für das Weiße Haus interessanterweise erhöht haben dürfte. Es geht nun nämlich nicht mehr ausschließlich um ein Zögern der Fed im März. Ziel der Regierung dürfte es sein, Powell ab Mai nicht nur in seiner Funktion als Notenbankchef zu ersetzen, sondern ihn komplett aus der Fed zu drängen. Diese Strategie wäre für die internationalen Finanzmärkte zweifellos problematisch."
ULRICH WORTBERG, HELABA:
"Die Inflation in den USA hat sich zum Ende des Jahres kaum entspannt. Sowohl die Gesamt- als auch die Kernpreise liegen weiterhin klar oberhalb des Fed-Ziels, wobei die Kernteuerungsrate leicht unterhalb der Konsensschätzung liegt. Für die US-Notenbanker gibt es dennoch keinen Grund, von ihrer vorsichtigen Haltung bezüglich Zinssenkungen abzurücken. Mit forcierten Inflationssorgen ist indes kaum zu rechnen, zumal es ab Mitte Dezember zu einem saisonal eher ungewöhnlichen und weiteren Preisrutsch an den Tankstellen gekommen ist. Dies könnte sich in den Preiszahlen vom Januar niederschlagen."
THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:
"Eines vorweg: Die US-Inflationsrate muss mit gewisser Vorsicht genossen werden. Die Schließung vieler US-Bundesbehörden von Anfang Oktober bis Mitte November haben noch immer erheblichen Einfluss auf die Messung der Verbraucherpreise. Im Oktober wurden keine Daten erfasst und im November nur teilweise. Somit bleibt auch die Preismessung im Dezember verzerrt.
Statt sich auf verzerrte Details zu konzentrieren, sollte bei der Interpretation der Inflationsdaten auf das große Bild geachtet werden. Dieses lautet: Der große Inflationsschub aufgrund der höheren Zölle blieb bislang aus. Dies gilt insbesondere auch mit Blick auf die Preisentwicklung ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise (Kernrate). Die Kernteuerung liegt gegenüber dem November bei 0,2 Prozent und damit unter den Erwartungen von 0,3 Prozent. Gleichwohl sollte auch die Kerninflationsrate mehr als Schätzwert aufgefasst werden.
Sollte auch weiterhin kein nennenswerter Preiseffekt aufgrund der verhängten Zölle sichtbar werden, hat die Fed grünes Licht für weitere Zinssenkungen. Zunächst dürften die Notenbanker aber zuwarten. Dies bedeutet, dass die Zinsen auf der nächsten Notenbanksitzung Ende Januar konstant bleiben."
BASTIAN HEPPERLE, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:
"Kein weiterer Inflationsfortschritt. Die Einschätzung der tatsächlichen Inflationsentwicklung ist und bleibt aber schwierig. Als Folge des Government Shutdowns werden die Inflationsdaten noch einige Zeit verzerrt sein. Auf Basis der vorliegenden Inflations- und Arbeitsmarktdaten besteht für die Fed kein Handlungsdruck. US-Präsident Trump dürfte deshalb weiterhin scharfe Attacken gegen Fed-Chef Powell fahren."