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FOKUS 2-Novo Nordisk schockiert mit düsterem Ausblick - Aktie stürzt ab

ReutersFeb 4, 2026 12:06 PM
  • Scharfer Wettbewerb im Markt für Abnehmmittel setzt Novo zu
  • Konzern geht 2026 von Gewinnrückgang von bis zu 13 Prozent aus
  • Analysten hatten deutlich geringeren Rückgang erwartet
  • Aktie verliert bis zu 20 Prozent

- Der dänische Pharmakonzern Novo NordiskNOVOb.CO hat Anleger mit einem unerwartet düsteren Ausblick für 2026 schockiert und seine Aktie auf Talfahrt geschickt. Der Hersteller der Abnehmspritze Wegovy rechnet für dieses Jahr mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang von fünf bis 13 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Analysten hatten im Schnitt ein Minus von rund zwei Prozent erwartet, nachdem der Umsatz 2025 noch um zehn Prozent gestiegen war. Die Ankündigung beendet eine jahrelange Phase zweistelligen Wachstums, die den Konzern zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht hatte. An der Börse brachen die Novo-Aktien am Mittwoch um bis zu 20 Prozent ein - mehr als 40 Milliarden Euro an Börsenwert wurden dadurch vernichtet.

"Unsere Prognose für 2026 spiegelt ein Jahr mit beispiellosem Preisdruck wider", sagte Vorstandschef Mike Doustdar. Laut Finanzvorstand Karsten Munk Knudsen entsteht der Druck vor allem auf dem wichtigen US-Markt. Dort sorge eine unerwartet starke Zunahme von Selbstzahlern und höhere Rabattforderungen von Versicherern für Gegenwind. Dies wiege schwerer als der politische Preisdruck unter US-Präsident Donald Trump. Allein in den USA werde ein Umsatzrückgang im zweistelligen Prozentbereich erwartet, sagte Knudsen der Nachrichtenagentur Reuters.

Verschärft wird die Lage durch einen immer härteren Wettbewerb. Novo Nordisk hat seine führende Position im lukrativen Markt für Adipositas-Medikamente an den US-Konkurrenten Eli LillyLLY.N verloren, der mit Zepbound ein erfolgreiches Konkurrenzprodukt etabliert hat. Um im Wettbewerb um die preissensible Gruppe der Selbstzahler zu bestehen, haben Novo und Lilly die Preise für Kunden ohne Versicherungsschutz gesenkt. So hat Novo den Preis für seine Wegovy-Spritze für Selbstzahler in den USA auf 349 Dollar im Monat reduziert.

Zudem laufen außerhalb der USA Patente auf den Wirkstoff Semaglutid aus, der sowohl in Wegovy als auch im Diabetes-Mittel Ozempic von Novo enthalten ist. Ein weiteres Problem sind individuell hergestellte Nachahmer-Präparate. Schätzungen zufolge nutzen bis zu 1,5 Millionen Amerikaner solche Mittel. Die anhaltende "Massenvermarktung eines von der FDA nicht zugelassenen Produkts" sei frustrierend, sagte Knudsen. "Es ist extrem schwierig vorherzusagen, ob und wann sich dieser Trend umkehrt."

NEUE ABNEHMPILLE SOLL DIE WENDE BRINGEN

Der pessimistische Ausblick von Novo Nordisk zog die gesamte Branche nach unten und belastete auch die Aktien anderer Hersteller von Abnehmmedikamenten wie Eli Lilly, Structure Therapeutics GPCR.O oder Altimmune ALT.O. "Novo hat eine schockierende Prognose für 2026 vorgelegt", sagte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment. "Einen zweistelligen Gewinnrückgang hatte niemand auf dem Zettel."

Konzernchef Doustdar, der im Sommer vergangenen Jahres das Ruder übernahm, steuert gegen: Er setzt auf die neu eingeführte Wegovy-Pille und eine Werbeoffensive, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. "Wir sind sehr ermutigt durch die vielversprechende frühe Akzeptanz bei der Einführung der Wegovy-Pille in den USA", sagte Doustdar. Die wöchentlichen Verschreibungen hätten bis Ende Januar rund 50.000 erreicht und lägen damit deutlich über den offiziellen Marktdaten. Novo Nordisk baut zudem sein Management um. Der Chef des US-Geschäfts sowie der Produktstrategie-Chef verlassen das Unternehmen.

Für Novo Nordisk endet damit eine lange Phase zweistelliger Wachstumsraten seit der Einführung von Wegovy im Jahr 2021. Der Erfolg des Medikaments hatte den Börsenwert des Konzerns 2024 auf einen Spitzenwert von 600 Milliarden Dollar getrieben und ihn zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht. Wegen des zunehmenden Wettbewerbs und des anhaltenden Preisdrucks überdenken Analysten nun das Potenzial des gesamten Marktes für Adipositas-Medikamente. Einige sehen das Marktvolumen bis 2030 inzwischen eher bei 80 bis 105 Milliarden Dollar – deutlich unter den lange erwarteten 150 Milliarden.

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