- von Hakan Ersen
FRANKFURT, 10. Mär (Reuters) - Das deutsche Start-up-Unternehmen Polarise plant den Bau eines neuen 30-Megawatt-Rechenzentrums für künstliche Intelligenz, das die im Inland betriebene Rechenkapazität in Deutschland verdoppeln würde, da die europäischen Länder darauf drängen, mehr Kontrolle über kritische technologische Infrastrukturen zu erhalten.
Die Anlage, die Mitte 2027 in der bayerischen Stadt Amberg in Betrieb gehen soll, könnte später auf 120 MW erweitert werden, so das Unternehmen gegenüber Reuters.
Nach Angaben des deutschen Lobbyverbands Bitkom verfügten die KI-Rechenzentren in Deutschland Ende letzten Jahres über eine Gesamtkapazität von 530 MW. Ein Großteil davon wurde jedoch von ausländischen Anbietern betrieben.
Aufgrund globaler Spannungen - von Zöllen bis hin zu bewaffneten Konflikten - sowie stark divergierender Regeln für Online-Inhalte drängen die europäischen Länder auf mehr souveräne Kontrolle über Daten und die für KI erforderliche Infrastruktur.
KOSTEN DER ERSTEN PHASE IM "DREISTELLIGEN MILLIONEN-EURO-BEREICH
Über die Pläne für eines der größten Rechenzentren in Deutschland wurde bisher nicht berichtet. Große Technologieunternehmen wie Google GOOGL.O und Amazons AMZN.O AWS betreiben in der Regel Rechenzentren mit einer Leistung von rund 100 MW oder mehr.
Polarise, das 13 Rechenzentren in Deutschland und im Ausland betreibt, lehnte es ab, Angaben zur Höhe der erforderlichen Investitionen zu machen.
"Das endgültige Investitionsvolumen hängt stark davon ab, wie viele Kunden ihre eigenen Server installieren oder Rechenleistung mieten", sagte Marc Gazivoda, Marketingdirektor von Polarise, und fügte hinzu, dass das Unternehmen keine staatlichen Subventionen erhalte und die Investitionen variieren könnten.
Eine dem Unternehmen nahestehende Insider sagte, die erste Phase des Projekts werde einen "dreistelligen Millionenbetrag" kosten, der die Hauptinfrastruktur, nicht aber die Chips selbst umfasst. Die endgültigen Kosten würden von der Anzahl der benötigten Chips und deren spezifischen Typen abhängen, so die Insider.
Ein 12-MW-Rechenzentrum, das Polarise letzten Monat in München eröffnete, kostete nach einer Schätzung der Deutschen Telekom 1 Milliarde Euro ($1,16 Milliarden). Mit dieser Anlage wurde die in Deutschland vorhandene, lokal betriebene Kapazität bereits verdoppelt.
Da die Ölpreise auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen sind, rücken die Energiekosten für stromhungrige Rechenzentren immer mehr in den Mittelpunkt.
Polarise sagte, dass sein Partner WV Energie eine Wind- und Solaranlage für das Zentrum sowie Batterien für die Zwischenspeicherung von Strom installieren wird.
(1 Dollar = 0,8640 Euro)