- von Parisa Hafezi und Angus McDowall
Dubai, 09. Mrz (Reuters) - Der neue iranische Oberste Führer Modschtaba Chamenei tritt sein Amt in einer Phase existenzieller Bedrohung für die Islamische Republik an. Während Israel und die USA ihre militärischen Angriffe fortsetzen, schwindet im Inneren der Rückhalt für das klerikale System. Der Sohn des bei einem Luftangriff getöteten Ajatollah Ali Chamenei gilt als eng vernetzt mit den Revolutionsgarden und deren Wirtschaftsimperium. Seine Ernennung durch den Expertenrat am Sonntag wurde im Staatsfernsehen zwar mit Bildern feiernder Anhänger untermalt. Doch Interviews der Nachrichtenagentur Reuters mit Basidsch-Milizionären, Bürgern und Experten zeichnen das Bild einer schwindenden Machtbasis.
"Die Strategie, einen Hardliner zu wählen, zielt darauf ab, die Basis zu konsolidieren", sagte Ali Ansari, Professor für moderne Geschichte an der Universität St. Andrews in Schottland. "Aber sie enden mit einem immer kleineren Kreis von Unterstützern." Je länger der Konflikt andauere, desto mehr werde dieser Rückhalt bröckeln. Die Islamische Republik, die aus der Revolution von 1979 hervorging, hat durch Korruption, Repression und Misswirtschaft über Jahrzehnte hinweg an Unterstützung in der Bevölkerung verloren. Dies zeigte sich zuletzt bei den Präsidentschaftswahlen: Der Hardliner Said Dschalili erhielt im ersten Wahlgang nur rund neun Millionen Stimmen – ein Bruchteil der mehr als 61 Millionen Wahlberechtigten.
Dennoch verfügt das Regime weiterhin über einen harten Kern von Loyalisten, die bereit sind, das System gegen innere und äußere Feinde zu verteidigen. "Wir haben viele Märtyrer gegeben", sagte Mahdi Rastegari, ein Religionslehrer und Mitglied der Basidsch-Miliz. "Wir werden sogar unser Leben für ihn geben." Diese gut organisierte Basis stellt für die USA und Israel ein erhebliches Hindernis bei einem angestrebten Regimewechsel dar. US-Präsident Donald Trump hat Modschtaba Chamenei bereits als inakzeptabel abgelehnt, Israel kündigte an, jeden Anführer des Iran ins Visier zu nehmen.
"WIR MÜSSEN REALISTISCH SEIN"
Doch selbst in den Reihen der als regimetreue Stütze geltenden Basidsch regt sich Zweifel. Mitglieder der Miliz profitierten jahrzehntelang von Privilegien wie Studienplätzen, Jobs und günstigen Krediten. Angesichts der Zerstörung der Infrastruktur durch die Luftangriffe fürchten einige jedoch um die Zukunft des Staates. "Wir müssen realistisch sein", sagte ein Basidsch-Mitglied aus der Stadt Maschhad, das seinen Namen nur mit Hassan angab. "Wir haben nicht einmal mehr Flughäfen. Keine Häfen. Wie wollen sie diese Wirtschaft wieder aufbauen?"
Viele Iraner fürchten angesichts der anhaltenden Angriffe Chaos oder eine noch härtere Unterdrückung durch die Sicherheitskräfte. "Die Garden und das System sind immer noch mächtig", sagte der Geschäftsmann Babak aus Arak, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte. "Sie haben Zehntausende von Kräften, die bereit sind zu kämpfen, um dieses Regime an der Macht zu halten. Wir, das Volk, haben nichts."