- von Parisa Hafezi und Maayan Lubell
Dubai/Jerusalem, 09. Mrz (Reuters) - Nach der Ernennung von Modschtaba Chamenei zum Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Chamenei als neues iranisches geistliches Oberhaupt zeichnet sich kein schnelles Ende des Krieges ab. US-Präsident Donald Trump äußerte sich nach Bekanntgabe der Personalie verhalten. "Wir werden sehen, was passiert", zitierte ihn die Zeitung "Times of Israel". Trump hatte zuvor betont, er beanspruche bei der Ernennung der neuen iranischen Führung ein Mitspracherecht. Israel hat deutlich gemacht, dass Modschtaba Chamenei wie sein Vater ein legitimes Ziel für ein Attentat sei.
Der 56-jährige Modschtaba Chamenei gilt als eng vernetzt mit den Sicherheitskräften des Landes. Damit wurde das klare Signal gesetzt, dass in der Islamischen Republik Hardliner am Ruder bleiben. Trump hatte ihn bereits im Vorfeld als inakzeptabel bezeichnet und die bedingungslose Kapitulation des Iran gefordert. An den Finanzmärkten löste die Nachricht der neuen Führung in Teheran Turbulenzen aus: Die Sorge vor einer langanhaltenden Unterbrechung der globalen Energieversorgung trieb den Ölpreis für die Sorte Brent um 15,5 Prozent auf 107,06 Dollar pro Barrel. Zeitweise lag der Preis sogar bei fast 120 Dollar.
Im Iran stellten sich politische Institutionen demonstrativ hinter das neue Staatsoberhaupt. "Wir werden dem Oberbefehlshaber bis zum letzten Tropfen unseres Blutes gehorchen", hieß es in einer Erklärung des Verteidigungsrates. Trotz öffentlicher Treueschwüre bleibt die Gesellschaft tief gespalten. Während viele Iraner den Tod von Ali Chamenei feierten, gibt es angesichts der massiven Luftangriffe derzeit kaum öffentliche Proteste gegen die Regierung. Ali Chamenei war vor mehr als einer Woche bei einem der ersten Angriffe auf den Iran getötet worden.
KATAR RUFT ZUR DEESKALATION AUF
Der Konflikt hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schlagadern für den globalen Ölhandel, praktisch zum Erliegen gebracht. In Bahrain wurde bei einem iranischen Angriff eine Raffinerie der staatlichen Ölgesellschaft Bapco getroffen. Auch im Iran wurden Energieanlagen ins Visier genommen, Teheran war in dichten schwarzen Rauch gehüllt. Das israelische Militär setzte seine Angriffe im Zentraliran und in der libanesischen Hauptstadt Beirut fort. Unterdessen meldeten die US-Streitkräfte den Tod eines siebten Soldaten infolge der iranischen Gegenangriffe vor einer Woche. Nach iranischen Angaben sind bei den US-israelischen Angriffen bislang mindestens 1332 Zivilisten getötet worden.
Der katarische Ministerpräsident Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani rief alle Seiten zur Deeskalation auf. "Wir werden weiter mit den Iranern sprechen und auf eine Deeskalation hinwirken", sagt der Ministerpräsident in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders Sky News. Der Iran müsse zunächst alle Angriffe auf die Golfstaaten und andere Länder einstellen, die nicht an diesem Krieg beteiligt seien. Die USA und Israel hatten vergangene Woche koordinierte Angriffe auf den Iran begonnen, woraufhin Teheran Raketen auf Israel und Ziele am Golf abfeuerte.