
München, 13. Feb (Reuters) - WTO-Chefin Ngozi Okonjo Iweala, Vizekanzler Lars Klingbeil und der finnische Präsident Alexander Stubb haben sich angesichts der US-Zollpolitik dafür ausgesprochen, mehr Handelsabkommen mit anderen Partnern in der Welt zu schließen. Die USA stünden nur für rund elf Prozent des Welthandels, sagte die WTO-Chefin am Freitag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Sie verstehe das ständige Klagen über die umstrittene US-Zollpolitik nicht. Die anderen Länder, die die übrigen 89 Prozent des Welthandels ausmachten, sollten sich organisieren. Die WTO sei für mehr regionale Abkommen, weil diese eine regelbasierte internationale Ordnung abstützten. Die Europäer könnten die Mittelmächte anführen. Sie widersprach deshalb der These sowohl von US-Außenminister Marco Rubio als auch Kanzler Friedrich Merz, dass die alte Weltordnung wirklich am Ende sei - man müsse nur ihre Defizite beseitigen.
Auch Finanzminister Klingbeil kritisierte, dass die Europäer viel zu sehr darauf starrten, was ein US-Präsident als Nächstes sage. Das sei wichtig. Wichtiger aber wäre es, wenn die Europäer ihre Hausaufgaben machten. Es gebe überall auf der Welt Länder, die ebenfalls ein Interesse an regelbasierten Verträgen und Abkommen hätten. Ähnlich äußerte sich Finnlands Präsident Stubb.
Die WTO-Chefin betonte, dass man ohnehin die sich verändernden Handelsströme wahrnehmen müsse. 1995 hätten die Industrieländer 60 Prozent des Welt-Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, der sogenannte Globale Süden 40 Prozent. Heute sei es genau andersherum. Der Süd-Süd-Handel habe sich im selben Zeitraum von zehn auf 25 Prozent erhöht.
Auch der republikanische US-Senator Thomas Tillis unterstützte Handelsdeals der anderen Staaten. Er gehört in den USA zu den Kritikern der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Wenn die anderen Staaten sich verstärkt zusammenschlössen, werde dies auch den Druck auf die USA erhöhen und man habe mehr Wettbewerb, sagte er.
Die Sicherheitskonferenz 2026 ist geprägt von dem Wunsch der Europäer, eine Antwort auf das unilaterale Vorgehen von US-Präsident Trump zu finden. Der Abschluss von Handelsabkommen wie dem EU-Mercosur oder EU-Indien-Vertrag gilt dabei als eine der Maßnahmen. Auch Kanzler Friedrich Merz hatte in seiner Rede betont, dass Deutschland und Europa zwar an den transatlantischen Beziehungen festhalten wollten, aber verstärkt neue Partner in der Welt suchten.