
Was hier gerade am Silbermarkt passiert, ist nichts weniger als eine Sensation. Während viele Anleger noch auf Gold starren, ist Silber in den vergangenen zwei Wochen um mehr als 30 % nach oben geschossen. Ein Anstieg, der selbst erfahrene Marktbeobachter überrascht – und der sogar eine der größten Banken der Welt auf dem falschen Fuß erwischt hat.
Denn: Der Silberpreis hat Citis eigene, ohnehin bullische Prognose deutlich schneller durchbrochen als erwartet. Und genau das zwingt die Analysten nun zu einer drastischen Neubewertung.
Maximilian Layton, Global Head of Commodities Research bei Citi, bestätigt offen, dass Silber das bisherige kurzfristige Kursziel bereits hinter sich gelassen hat. Noch vor zwei Wochen lag Citis 0–3-Monats-Ziel bei 85 US-Dollar je Unze. Kurz darauf wurde es auf 100 Dollar angehoben. Jetzt ist selbst diese Marke Geschichte.
Die Konsequenz: Citi erhöht erneut – und zwar deutlich.
Die neue Einschätzung lautet: Silber hat kurzfristig weiteres explosives Aufwärtspotenzial.
Besonders brisant ist die Begründung von Citi. Layton sagt klar: Silber wird aktuell nicht von klassischen Fundamentaldaten getrieben. Keine Fördermengen, keine Industrienachfrage, keine Angebotslücken stehen im Vordergrund.
Der Preistreiber ist Kapital.
Große Geldströme, spekulatives Kapital und massive Investmentnachfrage treiben den Markt. Layton beschreibt Silber deshalb als „Gold im Quadrat“ oder noch drastischer: als „Gold auf Steroiden“.
Für Anleger ist das eine Warnung – und gleichzeitig eine riesige Chance.
Citi rechnet nun mit weiteren 30 bis 40 % Kursplus in den kommenden Wochen. Das neue offizielle 0–3-Monats-Ziel liegt bei 150 US-Dollar je Unze.
Der Anstieg dürfte laut Citi erst dann ins Stocken geraten, wenn Silber im historischen Vergleich zu Gold wirklich teuer wird. Und genau das ist aktuell noch nicht der Fall.
Silber hat bereits ein neues Intraday-Rekordhoch bei rund 117,7 US-Dollar erreicht. Gleichzeitig ist das Gold-Silber-Verhältnis unter 50 gefallen – ein Niveau, das historisch klar für eine Outperformance von Silber spricht.
Citi sieht sich damit in einer seit Langem vertretenen Kernthese bestätigt: Silber schlägt Gold.
Warum kommt der Run gerade jetzt? Citi nennt zwei zentrale Faktoren:
erstens steigende geopolitische Risiken und zweitens neue Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank.
Beides wirkt wie ein Brandbeschleuniger für Edelmetalle. Gerade unter Präsident Donald Trump, der aktuell wieder im Weißen Haus sitzt, wächst bei Investoren die Sorge vor politischem Einfluss auf die Geldpolitik. Diese Unsicherheit treibt Kapital in Sachwerte – und Silber profitiert überproportional.
Besonders auffällig: Die Rallye wird laut Citi maßgeblich von China angeführt. Auch Indien und die globale Privatanleger-Nachfrage ziehen kräftig an. Die Prämien in Shanghai und Indien sind stark gestiegen.
Das eigentlich Erstaunliche: Klassische Warnsignale greifen nicht mehr. Fallende ETF-Bestände und eine rückläufige Positionierung an der Comex – normalerweise klare Bremsklötze – haben den Preisanstieg nicht aufgehalten.
Das zeigt, wie dominant die aktuelle Nachfrage ist.
Natürlich versuchen die chinesischen Behörden gegenzusteuern. Neue Zeichnungen im einzigen chinesischen Silber-ETF wurden ausgesetzt. Zudem wurden die Marginanforderungen an der Shanghai Futures Exchange erhöht.
Doch Citi winkt ab: Diese Maßnahmen seien nicht ausreichend, um die Nachfrage zu stoppen.
Im Gegenteil. Layton weist darauf hin, dass chinesische Privatanleger stark trendfolgend agieren. Läuft der Markt weiter, könnte sich die Knappheit sogar noch verschärfen.
Citi zieht zum Schluss einen historischen Vergleich. Sollte das Gold-Silber-Verhältnis auf frühere Tiefstände zurückfallen, wären Silberpreise von 160 bis 170 US-Dollar rechnerisch gut zu rechtfertigen.
Noch extremer – aber laut Citi extrem unwahrscheinlich – wäre ein Rückfall auf das Post-Bretton-Woods-Tief von 14 aus dem Jahr 1979. In diesem Szenario würde Silber rechnerisch in den mittleren bis hohen 300-Dollar-Bereich steigen.
Citi betont ausdrücklich: Das ist ein theoretisches Extrem.
Was wir aktuell erleben, ist kein normaler Rohstoffzyklus. Silber wird von Kapitalströmen, Angst, Geopolitik und Momentum getrieben. Genau das macht den Markt so gefährlich – und gleichzeitig so explosiv.
Citi bleibt klar bullish, hebt das kurzfristige Ziel auf 150 Dollar an und sieht selbst darüber hinaus noch Fantasie. Wer investiert ist, sitzt auf einem der heißesten Trades des Jahres. Wer noch draußen steht, sollte verstehen: Das ist kein ruhiger Markt mehr. Das ist ein Pulverfass.
Und Silber steht mittendrin.