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EZB-Rat Kocher: US-Zölle schaden allen Beteiligten

ReutersJan 21, 2026 8:00 AM

- Österreichs Notenbankchef Martin Kocher hat vor weltweiten Schäden durch die angekündigten US-Strafzölle gegen mehrere europäische Länder gewarnt. Die Maßnahmen wären ein weiterer Bruch mit den über Jahrzehnte bewährten Prinzipien einer regelbasierten Handelspolitik, teilte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch mit. Handelspolitische Drohungen als Druckmittel zu nutzen, erhöhe die Risiken für die Weltwirtschaft und schade mittel- und langfristig allen Beteiligten. In den USA würden die Zölle zudem den Preisauftrieb beschleunigen.

Selbst wenn Österreich nicht unmittelbar betroffen sei, würden die Maßnahmen über globale Lieferketten das heimische Wachstum messbar dämpfen, erklärte Kocher unter Berufung auf Analysen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Für den Euroraum fielen die Effekte noch deutlicher aus. Besonders problematisch sei die gestiegene Unsicherheit. Diese belaste Investitionen und schwäche das Vertrauen von Unternehmen und Haushalten weit über die direkten Handelseffekte hinaus.

Langfristig könnten die US-Zölle zu einem Rückgang der österreichischen Wirtschaftsleistung um 0,15 Prozent führen, geht aus einer Analyse der OeNB hervor. Auf sektoraler Ebene wären hierzulande am stärksten die Herstellung von Metallen, chemischen Erzeugnissen und der Bergbau betroffen. Für den Euroraum und die EU fallen die Effekte aufgrund der direkten Betroffenheit einiger Länder mit einem Minus von 0,5 Prozent langfristig deutlich stärker aus.

Hintergrund sind die Pläne von US-Präsident Donald Trump, ab Februar zusätzliche Zölle von zehn Prozentpunkten gegen acht Nato-Staaten zu verhängen, sollten sich diese gegen seine Besitzansprüche auf Grönland stellen. Ab Juni soll der Satz um weitere 15 Prozentpunkte steigen. Auf der Liste der US-Regierung stehen unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Dänemark.

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