Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben in der vergangenen Woche mit den koordinierten Angriffen der USA und Israels auf den Iran ihren Höhepunkt erreicht. Am vierten Tag des Konflikts richtet sich die Aufmerksamkeit der Welt nun auf die mögliche Eskalation eines umfassenderen Nahostkonflikts und dessen wirtschaftliche Folgen. Die Vergeltungsangriffe des Irans haben die Befürchtungen eines langwierigen Krieges verstärkt und enorme Unsicherheit über die Zukunft der strategisch wichtigen Straße von Hormus hervorgerufen – einer Schlüsselregion am Persischen Golf, durch die rund 20 % der weltweiten Öllieferungen transportiert werden. Angesichts dieser Entwicklungen haben das Zusammentreffen geopolitischer Risiken, Störungen auf den Energiemärkten und steigender Inflationserwartungen Rohstoffpreise wie Öl und Gold in die Höhe getrieben, während risikoreichere Anlagen unter Druck geraten sind.
Die Märkte befinden sich aktuell in einer Phase der Risiko-Neubewertung. Die Reaktionen auf die Nachrichten sind bisher jedoch alles andere als einheitlich. Gold erfuhr am Montag zum Marktstart einen erneuten Anstieg und erreichte ein Hoch von 5.419 US-Dollar, bevor es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels wieder auf rund 5.250 US-Dollartrac. Dies deutet sowohl auf eine Nachfrage nach sicheren Anlagen als auch auf kurzfristige Gewinnmitnahmen hin. Kryptowährungen hingegen zeigten sich deutlich volatiler. Nachdem am Samstag neue Nachrichten bekannt wurden, fiel der Bitcoin-Kurs rapide auf ein Tief von 63.000 US-Dollar, nur um sich gestern wieder zu erholen. Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarktes legte dabei um rund 140 Milliarden US-Dollar zu. Diese Stärke lässt jedoch bereits nach, was einmal mehr zeigt, dass Bitcoin weiterhin von der Risikostimmung beeinflusst wird und nicht seinem Anspruch als „digitales Gold“ entspricht.
Diese oberflächliche Divergenz zwischen Gold und Bitcoin ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Während globale Portfoliomanager Bitcoin vielleicht noch nicht als digitales Gold betrachten, entwickelt sich im Iran selbst eine ganz andere Dynamik, die offenbart, welche Rolle Bitcoinin Kriegszeiten tatsächlich spielen könnte.
Es ist wichtig, vorab festzuhalten, dass der Goldpreis aktuell eine leichte Korrektur erfährt, der übergeordnete Trend aber weiterhin eindeutig nach oben zeigt. Nachdem er gestern Höchststände von über 5.400 US-Dollar pro Unze erreicht hatte, notiert das Edelmetall nun rund 2 % niedriger als am Vortag. Eine gewisse Konsolidierung ist angesichts der Tatsache, dass Gold kurz vor einem neuen Allzeithoch steht, kaum überraschend. Der zugrundeliegende Grund ist klar: Die faktische Schließung der Straße von Hormus, die zu einem Rückgang des Tankerverkehrs um fast 70 % und über 150 vor Anker liegenden Schiffen geführt hat, hat die Befürchtungen hinsichtlich Versorgungsengpässen verstärkt. Brent-Rohöl ist auf die Marke von 83 US-Dollar pro Unze gestiegen und hat sich seit Freitag um über 17 % erhöht. Dies ist der stärkste Preisanstieg seit dem russisch-ukrainischen Krieg im Jahr 2022.
Bitcoinhingegen erzählt eine andere Geschichte. Anstatt von den Zuflüssen in sichere Häfen zu profitieren, ist der Kurs nach einem Anstieg auf 70.000 US-Dollar erst gestern wieder auf das Niveau von 66.000 US-Dollartrac. BTC liegt nun rund 47 % unter seinem Allzeithoch von 126.000 US-Dollar vom Oktober letzten Jahres und verzeichnet seit Jahresbeginn einen Rückgang von 23 %. Gold hingegen hat seit Jahresbeginn über 19 % zugelegt und damit die Wertentwicklungslücke zwischen den beiden, die bis ins letzte Jahr zurückreicht, weiter vergrößert.

Diese Divergenz zeigt sich auch deutlich in ihrer rollierenden Korrelation, die aktuell bei etwa -0,62 liegt. Dies verdeutlicht, dass sich die beiden Assets angesichts zunehmender makroökonomischer Unsicherheiten in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass Bitcoin weiterhin eher wie ein risikoreiches Asset mit hohem Beta-Wert und starker Abhängigkeit von der Liquidität verhält als wie ein defensives Asset. Diese Einschätzung basiert jedoch auf sehr frühen Entwicklungen im Hinblick auf die makroökonomischen Rahmenbedingungen.
Bitcoin bei 66.000 US-Dollar bestätigt: Es handelt sich um ein risikoreiches Asset, nicht um eine Absicherung.
Die Kursentwicklung von Bitcoinin den letzten vier Tagen unterstreicht die These, dass er zumindest aktuell eher als risikoreiche Anlage denn als geopolitische Absicherung gehandelt wird. Nach dem ersten Ausbruch am 28. Februar fiel der Bitcoin-Kurs rasch auf unter 63.000 US-Dollar. Ein gestriger Erholungsversuch konnte die Dynamik nicht halten, und der Kurs notiert aktuell wieder zwischen 67.000 und 66.000 US-Dollar. Dies deutet darauf hin, dass die Käufer angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Konflikt weiterhin vorsichtig agieren.
Der makroökonomische Zusammenhang dürfte deutlicher werden, wenn der Konflikt weiter eskaliert. In diesem Fall würde ein nachhaltiger Anstieg des Brent-Rohölpreises über 90 US-Dollar die Inflationserwartungen wahrscheinlich verschärfen und Zinssenkungen der Fed möglicherweise verzögern oder gar ausschließen. Sollte es so kommen, würde sich die Liquidität verknappen, die Realrenditen blieben hoch und risikoreiche Anlagen wie Bitcoin und andere Kryptowährungen gerieten in der Regel erneut unter Druck.
Aus technischer Sicht stellt die Marke von 65.000 US-Dollar eine wichtige Unterstützung dar, die Bitcoin den gesamten Februar über halten konnte. Ein deutlicher Durchbruch darunter könnte den Weg zur psychologisch wichtigen Marke und dem jüngsten Tiefpunkt bei 60.000 US-Dollar ebnen. Eine weitere wichtige Marke nach unten ist der 200-Wochen-Durchschnitt bei 58.500 US-Dollar. Dieser wichtige technische Indikator gilt historisch gesehen als Zone, in dertronKaufinteressenten tendieren und die häufig als strukturelle Unterstützung für Bitcoin angesehen wird.

Auf der positiven Seite bräuchten die Bullen einentronTagesschlusskurs über der Marke von 70.000 US-Dollar, um die strukturelle Dynamik wiederzuerlangen und das kurzfristige Narrativ wieder zu ihren Gunsten zu verändern.
Einblick in den iranischen Krypto-Auszahlungsanstieg von 700 % auf Nobitex
Im Iran selbst zeichnen die Entwicklungen vor Ort ein viel eindringlicheres Bild davon, was bitcoin und andere Kryptowährungen für Menschen in extremen Krisensituationen bedeuten. Laut dem Blockchain-Analyseunternehmen Elliptic verzeichnete Nobitex, Irans größte Kryptobörse, die rund 87 % des Kryptohandelsvolumens des Landes mit über 11 Millionen Nutzern abwickelt, nur wenige Minuten nach den ersten US-Luftangriffen auf Israel einen Anstieg der Abhebungen um mehr als 700 %. Innerhalb einer Stunde nach Bekanntwerden der Nachricht wurden fast 3 Millionen US-Dollar abgehoben, da Nutzer ihre Vermögenswerte von lokalen Bankensystemen auf externe Plattformen und Wallets transferierten. Dies deutet darauf hin, dass Kryptobörsen als Mittel zur Kapitalflucht genutzt wurden, um traditionelle Finanzbarrieren zu umgehen.

Der rasante Anstieg der Abhebungen wirft eine grundlegendere Frage auf: Wogegen soll Bitcoin abgesichert werden – gegen Marktvolatilität oder gegen Systemversagen? Für die iranische Bevölkerung zeigt dieses Ereignis, dass Bitcoin keineswegs als Portfolioabsicherung gedacht war, sondern vielmehr als Mittel, um angesichts des Währungsverfalls einen Ausweg zu finden und die Kaufkraft zu erhalten.
Auch wenn die These von digitalem Gold und makroökonomischen Absicherungen angesichts des noch in der Entwicklung befindlichen Konflikts nicht völlig außer Acht gelassen werden kann, bietet dieser Abhebungsanstieg eine eindringliche Erinnerung an den Nutzen und die Leistungsfähigkeit von Kryptowährungen in Konflikten: ein erlaubnisfreies finanzielles Ventil für Einzelpersonen in Krisengebieten, in denen die Bankeninfrastruktur versagt hat.
Diese Woche dürfte maßgeblich von der gesamtwirtschaftlichen Lage und der Reaktion des Ölpreises auf die geopolitischen Entwicklungen rund um die Straße von Hormus bestimmt werden. Derzeit notiert Brent-Rohöl zwischen 81 und 83 US-Dollar pro Barrel. Sollte es jedoch zu längeren Schließungen der Straße von Hormus kommen, dürften die Preise in dieser Woche weiter steigen. In diesem Fall würde sich das Thema von Energie zu Inflation verlagern.
Höhere Ölpreise treiben die Transport- und Produktionskosten in die Höhe, was sich wiederum auf die Verbraucherpreise auswirkt. Bleibt die Inflation hoch, ist eine Zinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) in naher Zukunft deutlich unwahrscheinlicher. Dies führt zu einer angespannten Liquidität und belastet typischerweise risikoreiche Anlagen wie bitcoin. In dieser Kettenreaktion fungiert Kryptowährung nicht als Absicherung, sondern reagiert wie ein risikoreiches Anlagegut.
Bislang besteht für Bitcoinweiterhin eine Divergenz gegenüber Gold, und es gibt keine Anzeichen für eine Korrelation der beiden Anlageklassen als geopolitische Absicherung. BlackRock hat jedoch interessante Daten veröffentlicht, die das geopolitische Verhalten von Bitcoin im Vergleich zur Performance von Gold und dem S&P 500 10 und 60 Tage nach bestimmten Ereignissen beleuchten. Die Ergebnisse zeigen, dass Bitcoin nach Überstehen der anfänglichen Volatilität oft dietronPerformance aufwies. Beispielsweise verdeutlicht die Eskalation zwischen den USA und dem Iran im Januar 2020 ein solches Szenario.

Auch wenn diese Situation noch kein klares Ende hat, ist es wichtig zu beachten, dass wir uns noch in einer frühen Phase befinden und weitere Daten benötigt werden, bevor endgültige Schlussfolgerungen gezogen werden können. Die Divergenz zum Goldpreis bleibt vorerst bestehen.
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