
Nach einer extrem nervösen Woche am Kryptomarkt meldet sich Ripple (XRP) eindrucksvoll zurück. Der Kurs notiert aktuell wieder über 1,36 US-Dollar und hat sich damit um mehr als 21 % vom jüngsten Tief bei 1,12 US-Dollar erholt. Viele Anleger fragen sich jetzt: War das die finale Panik – oder kommt der nächste Absturz erst noch?
Fakt ist: Die Erholung läuft. Doch sie steht auf wackligem Fundament.
Während Privatanleger verunsichert bleiben, kaufen institutionelle Investoren weiter XRP. Am Donnerstag flossen 1,28 Millionen US-Dollar in XRP-Spot-ETFs. Und das ist kein Einzelfall: Bereits drei Tage in Folge verzeichneten diese Produkte Nettozuflüsse.
Am Dienstag lagen sie bei rund 19,5 Millionen US-Dollar, am Mittwoch bei weiteren 4,8 Millionen US-Dollar. In Summe belaufen sich die ETF-Zuflüsse mittlerweile auf 1,21 Milliarden US-Dollar. Die verwalteten Vermögen liegen bei rund 888 Millionen US-Dollar.
Solche Zahlen sind kein Zufall. Sie zeigen: Große Adressen positionieren sich – nicht hektisch, sondern strategisch. Genau solche Bewegungen waren in der Vergangenheit oft der Vorbote größerer Trends.
Doch es gibt ein Problem. Ein großes. Der Derivate-Markt zieht nicht mit.
Das sogenannte Open Interest bei XRP-Futures ist auf 2,40 Milliarden US-Dollar gefallen – der niedrigste Stand seit Januar 2025. Noch einen Tag zuvor lag der Wert bei 2,61 Milliarden US-Dollar.
Was das bedeutet? Weniger offene Positionen, weniger Risiko, weniger Überzeugung. Vor allem Privatanleger halten sich zurück. Genau das macht die aktuelle Erholung anfällig. Steigende Kurse ohne steigendes Marktinteresse sind selten nachhaltig.
Ein positives Signal kommt aus einer anderen Richtung. Der Verkaufsdruck durch Zwangsliquidationen hat deutlich nachgelassen.
Am Freitag wurden rund 10 Millionen US-Dollar an Long-Positionen und 10,5 Millionen US-Dollar an Short-Positionen liquidiert. Zum Vergleich: Am Donnerstag waren es noch 59 Millionen US-Dollar auf der Long-Seite.
Weniger Liquidationen bedeuten weniger Panik. Das stabilisiert den Markt kurzfristig – garantiert aber noch keinen Trendwechsel.
Technisch betrachtet kämpft sich XRP zwar nach oben, bleibt aber klar unter den entscheidenden Widerständen. Der Kurs notiert unter dem 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnitt, die allesamt nach unten zeigen. Das ist ein klassisches Zeichen für einen intakten Abwärtstrend.
Auch die Trendlinie vom Hoch bei 3,66 US-Dollar blockiert weitere Anstiege. Der nächste massive Widerstand wartet bei 2,18 US-Dollar – weit entfernt vom aktuellen Niveau.
Die Indikatoren senden gemischte Signale. Der MACD zeigt zwar nachlassenden Verkaufsdruck, befindet sich aber weiter im negativen Bereich. Der RSI liegt bei 29 und damit klar im überverkauften Terrain. Eine technische Gegenbewegung ist möglich – doch jeder Anstieg trifft schnell auf Verkäufer.

Kurzfristig richtet sich der Blick auf 1,40 US-Dollar. Gelingt ein nachhaltiger Ausbruch darüber, könnte XRP zügig 1,50 US-Dollar ansteuern.
Scheitert dieser Versuch jedoch, droht ein Rückfall. Im schlimmsten Fall sogar erneut Richtung 1,12 US-Dollar.
XRP zeigt Stärke, keine Frage. Die ETF-Zuflüsse sprechen für wachsendes institutionelles Interesse. Gleichzeitig fehlt der breiten Masse noch der Glaube an eine echte Trendwende.
Genau das macht die aktuelle Lage so gefährlich – und so spannend. Wer jetzt einsteigt, setzt darauf, dass die Großen mehr wissen als der Markt. Wer vorsichtig bleibt, wartet auf Bestätigung.
Eines ist sicher: XRP steht an einem Wendepunkt.
Die nächsten Tage entscheiden, ob diese Erholung der Anfang von etwas Großem ist – oder nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm.