Kanada will unabhängiger von den USA werden - doch Europa macht es schwer
Angelo Katsoras von der National Bank of Canada (NBC) sieht wachsende Hürden für Kanadas Bemühungen, seine Exporte stärker von den USA weg und in Richtung Europäische Union (EU) zu diversifizieren. Grund dafür sei die zunehmend protektionistisch ausgerichtete Industriepolitik der EU. Beschaffungsregeln, Subventionen, Zölle und Vorgaben für lokale Wertschöpfung begünstigten immer stärker die Produktion innerhalb Europas. Kanadische Unternehmen könnten daher trotz der Zollvorteile durch das Freihandelsabkommen CETA gezwungen sein, über eine Produktion direkt in Europa nachzudenken.
EU-Regeln erschweren Kanadas Exporte
„Die Tatsache, dass die EU zunehmend Beschaffungsregeln, Subventionen, Zölle und Vorgaben für lokale Wertschöpfung einsetzt, um mehr Produktion innerhalb Europas zu fördern, könnte für kanadische Exporteure zu einer erheblichen Herausforderung werden. Selbst mit dem umfassenden Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen Kanada und der Europäischen Union (CETA) könnten kanadische Unternehmen, die sich um Aufträge bemühen, insbesondere im öffentlichen Sektor, gezwungen sein, Produktionsstätten innerhalb der EU aufzubauen, anstatt ihre Waren lediglich aus Kanada zu exportieren.“
„Wie schwierig es ist, die Exporte in die EU zu steigern, zeigt sich daran, dass der Anteil der kanadischen Ausfuhren in die EU seit dem Inkrafttreten von CETA im Jahr 2017 lediglich um etwa einen Prozentpunkt von rund 4,4 auf 5,5 Prozent gestiegen ist. Zudem ging ein großer Teil des Zuwachses im Jahr 2025 auf Rohstoffexporte zurück, insbesondere auf Rohöl, Aluminium und Agrarprodukte, und nicht auf eine Ausweitung der Ausfuhren des verarbeitenden Gewerbes.“
„Kanada muss einen sorgfältigen Balanceakt vollziehen zwischen einer offensiven ‚Buy Canadian‘-Strategie im eigenen Land und dem Ziel, die Exporte auszuweiten und kanadischen Unternehmen neue Chancen im Ausland zu eröffnen, ohne dabei wichtige Handelspartner vor den Kopf zu stoßen.“
„Zudem ist zu berücksichtigen, dass Vorgaben für lokale Wertschöpfung in Ländern und Handelsblöcken mit großen Binnenmärkten wie China, den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union in der Regel am wirksamsten sind. Kanadas vergleichsweise kleiner Binnenmarkt bedeutet, dass das Land über weniger Einfluss verfügt.“
„Für Kanada dürfte es schwieriger werden, seinen Handel über die Vereinigten Staaten hinaus auf Regionen wie die EU auszuweiten, als viele erwarten. Der Erfolg wird weniger davon abhängen, neue Handelsabkommen abzuschließen, als vielmehr davon, sich an eine Welt anzupassen, in der der Marktzugang zunehmend von lokaler Produktion, widerstandsfähigen Lieferketten und wirtschaftlicher Sicherheit abhängt.“
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