Won-Comeback! Was Japan von Südkorea lernen kann
Chris Turner von ING erklärt, dass massive Portfolioabflüsse und ein schwächerer südkoreanischer Won (KRW) den USD/KRW-Kurs im Juni trotz eines hohen Leistungsbilanzüberschusses bis auf 1.560 getrieben hatten. Politische Gegenmaßnahmen, darunter Änderungen bei der Währungsabsicherung des National Pension Service und ein erleichterter Zugang zur Devisenliquidität der Bank of Korea, trugen zur Stabilisierung bei. Inzwischen hat sich der vom KI-Boom getriebene Exportaufschwung auf weitere Teile der Wirtschaft ausgeweitet. Das stützt das Wachstum, die Zinserhöhung im Juli und die verstärkte Rückführung von Unternehmensgewinnen aus dem Ausland. ING sieht derzeit nur begrenzten Spielraum für einen deutlichen Rückgang von USD/KRW unter 1.400. Die Entwicklung in Südkorea könnte nach Einschätzung der Bank jedoch ein Beispiel für die japanischen Behörden sein, wie sich durch attraktivere Investitionsbedingungen im Inland die eigene Währung stärken lässt.
Erholung des Won wird vom heimischen Wachstum getragen
„Über weite Strecken dieses Jahres hatte Südkorea mit massiven Portfolioabflüssen und einem schwächeren Won zu kämpfen, wodurch USD/KRW im Juni bis auf 1.560 stieg. Diese Kapitalbewegungen waren auf Verkäufe südkoreanischer Aktien durch ausländische Anleger - seit Jahresbeginn im Umfang von 100 Milliarden Dollar - sowie auf Kapitalanlagen südkoreanischer Anleger im Ausland zurückzuführen. Der enorme Leistungsbilanzüberschuss Südkoreas infolge des Halbleiterbooms schien dabei keine Rolle zu spielen.“
„Die Trendwende beim Won, durch die USD/KRW inzwischen unter 1.400 notiert, scheint jedoch von der Wachstumsgeschichte Südkoreas getragen worden zu sein. Der Investitions- und Exportboom rund um künstliche Intelligenz hat inzwischen weitere Teile der Wirtschaft erfasst und im zweiten Quartal erneut für ein kräftiges BIP-Wachstum von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesorgt. Dies trug dazu bei, dass die Bank of Korea den Leitzins im Juli um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent anhob. Offenbar haben Exporteure inzwischen wieder mehr Vertrauen und führen einen größeren Teil ihrer im Ausland erzielten Gewinne zurück. Der monatliche Leistungsbilanzüberschuss kann dabei bis zu 50 Milliarden Dollar erreichen.“
„Die Trendwende beim Won erinnert daran, wie wichtig ein attraktives Investitionsumfeld im eigenen Land ist. In einem kürzlich veröffentlichten Meinungsbeitrag haben wir dazu auf eine aktuelle Studie der Bank of Korea hingewiesen. Derzeit ist nicht klar, ob USD/KRW deutlich unter 1.400 fallen muss.“
„Schließlich scheinen ausländische Anleger weiterhin südkoreanische Aktien zu verkaufen. Die Trendwende in Südkorea könnte für die japanischen Behörden dennoch eine nützliche Lehre sein. Ein attraktives heimisches Investitionsumfeld - sowohl durch Wachstum als auch durch höhere Zinsen - ist ein wirksamer Weg, um die eigene Währung zu stärken.“
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