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WDHLG-Trumps Zoll-Drohungen dürften Märkte am Montag belasten - "Handelskrieg ist zurück"

ReutersJan 19, 2026 5:24 AM

- Die Finanzmärkte dürften Experten zufolge auf die jüngsten Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Abschlägen reagieren. Die Börsen würden zum Wochenstart wohl im "Risk-Off"-Modus starten, sagte IG-Marktanalyst Tony Sycamore am Wochenende. Die jüngste Krise habe die Sorge über einen Bruch des Nato-Bündnisses verstärkt. Auch das US-Handelsabkommen mit Europa stehe in Frage. Das werde die Stimmung an den Aktienmärkten belasten, die Nachfrage nach "sicheren Häfen" wie Gold und Silber aber erhöhen.

Trump hat angekündigt, ab dem 1. Februar zusätzliche Einfuhrzölle in Höhe von 10 Prozent auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Großbritannien zu erheben, sollte den USA der Kauf Grönlands verwehrt bleiben. Die Sätze sollen per Juni auf 25 Prozent erhöht werden. Die Drohung kam am gleichen Tage, an dem die EU und der südamerikanische Staatenbund Mercosur ein umfassendes Freihandelskommen unterzeichneten.

Die acht europäischen Staaten hatte am Sonntag in Reaktion auf Trump eine Erklärung abgegeben, in der sie Grönland unterstützten. Irland erklärte, die EU werde Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, falls sich die Zolldrohungen der USA gegen Europa bewahrheiten sollten.

"Die Hoffnungen, dass sich die Zollsituation für dieses Jahr beruhigt hat, haben sich vorerst zerschlagen", sagte Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. "Wir befinden uns in der gleichen Situation wie im letzten Frühjahr." Im April 2025 hatten von Trump verhängte Zölle die Märkte erschüttert.

Europäische Rüstungsaktien dürften indes von den geopolitischen Spannungen profitieren. Der europäische Branchenindex.SXPARO ist in diesem Monat bereits um fast 15 Prozent gestiegen. Der GoldpreisXAU= bewegt sich unterdessen weiter in der Nähe seines Rekordhochs.

"Der Handelskrieg zwischen den USA und der EU ist zurück", erklärte auch Tina Fordham, geopolitische Strategin und Gründerin von Fordham Global Foresight. Trotz der wachsenden Nervosität haben sich Investoren aber an ein gewisses Maß an geopolitischen Risiken gewöhnt. "Die Stimmung der Anleger hat sich angesichts derartiger, immer wiederkehrender undenkbarer Entwicklungen als recht widerstandsfähig erwiesen", sagte Fordham. Dies sei auch ein Ausdruck davon, dass es den Glauben gebe, dass Trump nicht alles umsetzen könne, was er ankündige.

Auch Carsten Nickel von der strategischen Kommunikationsberatung Teneo in London sagte, der wahrscheinlichste Weg in die Zukunft sei "eine Rückkehr zum Handelskrieg". Unmittelbare Folge sei, dass Vereinbarungen mit den USA kaum längerfristige Sicherheit böten. Das sei bereits deutlich geworden, als in dem Abkommen vom Sommer viele technische Fragen unbeantwortet geblieben seien. Die Schlüsselfrage werde nun sein, ob die EU versuchen werde, den Streit auf einen solchen "klassischen" Handelskrieg zu beschränken, oder ob sich der Ruf nach einer härteren Linie durchsetzen werde.

Rein wirtschaftlich gesehen hätten Trumps neue Drohungen keine gravierenden Auswirkungen, sagte Neil Shearing, Chefvolkswirt bei Capital Economics in London. "Nüchtern betrachtet würden die Zölle das BIP der betroffenen Länder um einige Zehntelprozentpunkte schmälern und die Inflation in den USA um einen ähnlichen Betrag erhöhen." Viel größer wären indes die politischen und geopolitischen Folgen. "Jeder Versuch der USA, sich Grönland mit Gewalt anzueignen oder Dänemark zu zwingen, das Gebiet abzutreten, würde einen Keil in die transatlantischen Beziehungen treiben und der Nato potenziell irreparablen Schaden zufügen."

Der Streit um Grönland ist nur einer von mehreren Krisenherden. Nach dem Militäreinsatz in Venezuela mit der Festnahme des Machthabers Nicolas Maduro Trump hat Trump zuletzt auch ein Eingreifen im Iran erwogen. Zudem hat seine Drohung einer Anklage des US-Notenbankchefs Jerome Powell Sorgen um eine Unabhängigkeit der Fed neu entfacht.

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