
Peking/Ottawa, 16. Jan (Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat die handelspolitische Annäherung zwischen Kanada und China begrüßt. "Das ist es, was er tun sollte", sagte Trump am Freitag im Weißen Haus mit Blick auf den kanadischen Premierminister Mark Carney. "Es ist eine gute Sache für ihn, ein Handelsabkommen zu unterzeichnen. Wenn man einen Deal mit China bekommen kann, sollte man das tun." Carney und der chinesische Präsident Xi Jinping hatten sich in Peking auf den Abbau von Handelshemmnissen verständigt. Dies markiert eine Kehrtwende in der kanadischen Handelspolitik, die sich zuletzt eng an den USA orientiert hatte.
Kern der Einigung ist die Senkung von Zöllen auf E-Autos und Agrarprodukte. Kanada wird zunächst bis zu 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge ins Land lassen, für die ein Zoll von 6,1 Prozent erhoben wird. Unter Carneys Vorgänger Justin Trudeau hatte Ottawa noch eine Abgabe von 100 Prozent erhoben. Die Quote soll in den kommenden fünf Jahren schrittweise auf etwa 70.000 Fahrzeuge steigen. China hatte im Jahr 2023 41.678 E-Autos nach Kanada geliefert. Im Gegenzug stellt China nun in Aussicht, die Zölle auf kanadisches Raps-Saatgut bis zum 1. März von derzeit 84 Prozent auf etwa 15 Prozent zu senken. Zudem sollen Strafzölle auf andere Agrarprodukte wie Hummer und Erbsen aufgehoben werden.
Mit dem Schritt vollzieht Kanada einen deutlichen Bruch mit der US-Politik gegenüber China. Während Carney erklärte, Kanada müsse "von innovativen Partnern lernen" und Zugang zu deren Lieferketten erhalten, schotten die USA ihren Automarkt ab. Insbesondere chinesische E-Autos sind wegen der Zölle faktisch ausgeschlossen. Die US-Regierung begründet dies mit der nationalen Sicherheit und dem Schutz der heimischen Autoindustrie vor subventionierter Konkurrenz. US-Verkehrsminister Sean Duffy hatte vor Trumps Stellungnahme erklärt, Kanada werde das Abkommen noch bereuen.
Die Vereinbarung fällt in eine Phase zunehmender Entfremdung zwischen den Nachbarn USA und Kanada. Trump hatte zuletzt Zölle auf kanadische Waren verhängt und angedeutet, der langjährige Verbündete könne der 51. Bundesstaat der USA werden. Carney bezeichnete das Verhältnis zu China in Peking dagegen als berechenbarer als das zu den USA. Er habe mit Xi zudem über Grönland gesprochen und dabei "weitgehende Übereinstimmung" festgestellt, sagte Carney weiter. Trump hatte jüngst erneut Anspruch auf das dänische Autonomiegebiet erhoben, was in der Nato für Unruhe sorgte.