Chinas Industrie verliert Tempo - doch diese Zukunftsbranchen boomen weiter
Nach Einschätzung von ING-Ökonomin Lynn Song hat sich das Wachstum der chinesischen Industrieproduktion im Juli stärker als erwartet abgeschwächt. Im Vergleich zu anderen Indikatoren der Binnenwirtschaft zeigt sich der Sektor jedoch weiterhin relativ robust. Das verarbeitende Gewerbe und die Hightech-Produktion entwickeln sich überdurchschnittlich. Besonders kräftige Zuwächse verzeichnen Elektronik, Schienenverkehr, Luft- und Raumfahrt, Robotik, Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sowie Halbleiter. Traditionelle, eng mit dem Immobilien- und Infrastruktursektor verbundene Branchen wie Zement, Stahl und Flachglas bleiben dagegen schwach. Darin spiegelt sich die anhaltende Krise am chinesischen Immobilienmarkt wider.
Modernisierung und Auslandsnachfrage stützen die Industrie
„Die Industrieproduktion stieg im Juli um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verlangsamte sich das Wachstum nach 5,3 Prozent im Juni und blieb hinter den Prognosen zurück, die mit einer geringeren Abschwächung gerechnet hatten (Markt: 5,0 Prozent, ING: 5,0 Prozent). Seit Jahresbeginn ergibt sich damit ein Wachstum der Industrieproduktion von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das liegt leicht unter den 5,4 Prozent aus dem ersten Halbjahr, ist im Vergleich zu anderen Indikatoren der Binnenkonjunktur aber weiterhin relativ robust.“
„Das verarbeitende Gewerbe entwickelte sich erneut besser als die Industrieproduktion insgesamt und legte im Juli um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Die Hightech-Produktion beschleunigte ihr Wachstum sogar auf 16,9 Prozent nach 14,1 Prozent im Juni. Dies unterstreicht den strukturellen Trend, dass Chinas Industriewachstum zunehmend von der industriellen Modernisierung und der Hightech-Fertigung getragen wird - zwei strategischen Prioritäten des Landes.“
„Auch die Produktionsdaten auf Produktebene zeigen eine anhaltende Stärke der Branchen der neuen Wirtschaft. Die Produktion von Industrierobotern stieg gegenüber dem Vorjahr um 30,2 Prozent, die von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben um 29,9 Prozent und die von integrierten Halbleiterschaltungen um 20,7 Prozent. Dies stützt die Einschätzung, dass der Industriezyklus zunehmend von Robotik, Halbleitern, Fahrzeugen mit alternativen Antrieben und höherwertiger Fertigung getragen wird.“
„Im Gegensatz dazu blieben traditionelle Branchen mit enger Verbindung zum Immobilien- und Infrastruktursektor schwach. Die Zementproduktion sank gegenüber dem Vorjahr um 11,6 Prozent, die Produktion von Stahlerzeugnissen um 4,1 Prozent und die von Flachglas um 3,6 Prozent. Dies verdeutlicht die anhaltende Belastung durch den alten, vom Immobilien- und Bausektor geprägten Industriezyklus.“
Empfohlene Artikel









Kommentare (0)
Klicken Sie auf die $-Schaltfläche, geben Sie das Symbol ein und wählen Sie eine Aktie, einen ETF oder einen anderen Ticker zum Verlinken aus.