Schweizer Franken zieht an, da schwächere US-Inflation den US-Dollar unter Druck setzt
- Schwächere US-Inflation und stagnierende Großhandelspreise belasten den US-Dollar.
- Die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Federal Reserve für September sinken auf nahezu 35%.
- Die Schweizer Inflation kühlt sich auf 0,4% ab, obwohl Zinserhöhungen der SNB langfristig weiterhin eingepreist sind.
USD/CHF beendet seine viertägige Gewinnserie und notiert während der asiatischen Handelsstunden am Freitag bei rund 0,8140. Das Währungspaar gibt leicht nach, da der US-Dollar (USD) nach einem schwächer als erwartet ausgefallenen US-Inflationsbericht unter Abwärtsdruck gerät.
Die Marktaufmerksamkeit richtet sich nun auf die später am Tag anstehenden US-Einzelhandelsumsätze für Juli. Ergänzend zum breiteren Inflationsbild meldete das Bureau of Labor Statistics, dass die US-Großhandelskosten für Waren und Dienstleistungen im Juli unverändert blieben und damit stärker nachließen als das erwartete Wachstum von 0,2%, nachdem im Juni ein revidierter Rückgang von 0,1% verzeichnet worden war. Ohne die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie stieg der Kern-Erzeugerpreisindex (PPI) um 0,2% und lag damit leicht unter den Markterwartungen von 0,3%. Auf Jahresbasis kletterte der Gesamt-PPI im Juli um 4,7% gegenüber dem Vorjahr, während der Kern-PPI im selben Zeitraum um 4,2% zulegte.
Diese nachlassenden Inflationsdaten haben die Erwartungen an die Politik der Federal Reserve verschoben. Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte nun eine Wahrscheinlichkeit von 34,8% für eine Zinserhöhung in den USA auf der bevorstehenden September-Sitzung ein, nach 40% unmittelbar nach der Veröffentlichung der PPI-Daten.
Unterdessen haben sich auch die Inflationsdruck in der Schweiz abgeschwächt. Die Schweizer Inflation fiel im Juli von 0,5% auf 0,4% und erreichte damit den niedrigsten Stand seit vier Monaten, was den begrenzten Durchschlag höherer Energiepreise im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen unterstreicht. Dieser niedrigere Wert steht im Gegensatz zur Erwartung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eines moderaten kurzfristigen Anstiegs der Inflation, die auf ihre jüngste Entscheidung folgte, den Leitzins bei 0% zu belassen.
Es wird allgemein erwartet, dass die SNB die Kreditkosten im Laufe des Jahres unverändert lässt und weitere Senkungen eher als Notfallmaßnahme denn als Basisszenario betrachtet, da die Schweizer Banken keinen schweren Schaden erlitten haben. Während die meisten Ökonomen die erste Zinserhöhung der SNB erst Anfang 2028 erwarten, preisen die Devisenmärkte eine Anhebung bereits für März 2027 ein.
Schwäche des Franken dürfte anhalten, da die SNB Inflationsrisiken im Zaum hält
Analysten der OCBC weisen darauf hin, dass "die kurzfristigen Inflationsrisiken begrenzt bleiben", auch wenn die jüngste Abwertung des Schweizer Frankens sich letztlich über höhere Importpreise bemerkbar machen könnte. Sie halten es für "unwahrscheinlich, dass sich ein solcher Effekt in den nächsten zwei Quartalen bemerkbar machen wird", und betonen, dass der inländische Preisdruck "gedämpft bleibt und unter dem Mittelpunkt der 0-2%-Preisstabilitätsspanne der SNB liegt", was die Erwartung untermauert, dass sich die SNB geldpolitisch gedulden und eine weitere Schwäche des Frankens hinnehmen kann.
Schweizer Franken - Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Der Schweizer Franken gehört zu den am häufigsten gehandelten Währungen weltweit, obwohl die Schweizer Wirtschaft relativ klein ist. Der Wert der Währung wird stark durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) beeinflusst.
Der Schweizer Franken (CHF) gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Die Stabilität der Schweizer Wirtschaft, große Zentralbankreserven und die politische Neutralität des Landes machen den Franken zu einer bevorzugten Anlagewährung in turbulenten Zeiten. Anleger flüchten in den Franken, wenn globale Risiken zunehmen.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tritt viermal im Jahr – einmal pro Quartal, seltener als andere bedeutende Zentralbanken – zusammen, um über ihre Geldpolitik zu entscheiden. Ihr erklärtes Ziel ist es, die jährliche Inflationsrate unter 2 % zu halten. Überschreitet die Inflation diese Marke oder wird erwartet, dass dies in naher Zukunft geschieht, greift die SNB ein und erhöht den Leitzins, um das Preiswachstum zu dämpfen. Höhere Zinssätze wirken sich in der Regel positiv auf den Schweizer Franken (CHF) aus, da sie die Renditen erhöhen und die Schweiz für Investoren attraktiver machen. Sinkende Zinsen hingegen schwächen den Franken.
Makroökonomische Datenveröffentlichungen spielen eine zentrale Rolle bei der Bewertung des Schweizer Franken (CHF). Obwohl die Schweizer Wirtschaft als stabil gilt, können plötzliche Veränderungen bei Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz oder Währungsreserven signifikante Auswirkungen auf den CHF haben. Starke Wirtschaftsdaten, niedrige Arbeitslosigkeit und ein hohes Verbrauchervertrauen stützen in der Regel den Franken. Umgekehrt könnte eine Abkühlung der Konjunktur eine Abwertung der Währung zur Folge haben.
Als kleine und offene Volkswirtschaft ist die Schweiz stark von der wirtschaftlichen Stabilität der Eurozone abhängig. Die erweiterte Europäische Union ist nicht nur der wichtigste Handelspartner der Schweiz, sondern auch ein bedeutender politischer Verbündeter. Eine stabile makroökonomische und geldpolitische Lage in der Eurozone ist daher von entscheidender Bedeutung für die Schweiz und den Schweizer Franken (CHF). Angesichts dieser engen Verflechtungen legen einige Modelle nahe, dass die Korrelation zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung des Euro (EUR) und des Schweizer Franken mit über 90 % nahezu perfekt ist.
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